bbm_neue_perspektive

Das Zinsproblem


Über Zinsen, Geld, Schulden
und den zwangsläufigen Kollaps von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft

"Eigentlich ist es gut, daß die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen.
Würden Sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh."

Henry Ford

Die Banken- und Kreditkrise demonstriert spätestens seit dem Herbst 2008, daß die Menschheit ein massives Problem mit der Last der Schulden bzw. Zinsen hat. "Zinsen" beinhalten nicht nur direkte Kreditzinsen, sondern sämtliche Arten von Kapitalerträgen und auch indirekte Zinsen (z.B. als Bestandteil von Produktpreisen).

Das System aus Geld und Schulden - ein absurdes Kartenhaus


Wie Geld funktioniert, warum das System aus Geld, Schulden und Zinsen im Laufe der Geschichte immer wieder zusammenbricht und zusammenbrechen wird, lesen Sie hier.

Zinsen - ja oder nein?


Um die Legitimation von Zinsen tobt seit Jahrtausenden ein geradezu religiöser Meinungskrieg. Zinsen sind folglich ein elementares Thema zahlreicher Religionen, die die Ausbeutung der Arbeitenden durch die Besitzenden durch Zinsen als Todsünde brandmarken und verbieten. Quasi-religiös argumentieren die Jünger der Marktgläubigkeit. Allerdings mit der gegenteiligen Überzeugung, Zinsen sollten sogar möglichst hoch sein, um die Geldbesitzer zum Verleihen von Geld zu motivieren.

Die Lösung des Problems wird dadurch erschwert, daß nicht nur die Zinsgegner, sondern auch die Zinsbefürworter auf den ersten Blick Recht haben. Einerseits sind Zinsen unmoralisch und lassen das System kollabieren (siehe unten). Andererseits wird (im bisherigen System) niemand Geld verleihen, wenn es keine Zinsen gibt.

Gegner und Befürworter des Zinssystems verkennen jedoch: Nicht der Zins ist das eigentliche Problem, sondern die Anhäufung extrem großer Vermögen in den Händen weniger (mehr dazu demnächst an dieser Stelle).


Arm und Reich: Die Welt reißt auseinander

Unsere Regierungsparteien und ihre "Experten" legen stets ihr Bekenntnis ab, die Welt bräuchte einen freien Kapitalmarkt, um die Unternehmen und Verbraucher am Leben zu halten. Tatsächlich ist es umgekehrt.

Unternehmer und Verbraucher pumpen durch ihre Zinszahlungen immer mehr Geld auf die Konten derer, die ohnehin Geld im Überfluß besitzen. Die klassische Umverteilung von unten nach oben.

Infolgedessen reißt die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander, wie Georg Schramm in diesem Video (ZDF-Sendung "Neues aus der Anstalt" vom 20.11.2007) zeigt:
Georg Schramm Vermoegensverteilung
Bild und Video: youtube  

Wie die Einkünfte aus Zinsen (auch Gewinne sind nichts anders als Eigenkapitalverzinsungen) und Arbeitnehmereinkommen immer weiter auseinandertreiben, sehen Sie hier:

zinsen vs arbeit
Quelle: Statistisches Bundesamt

Kapitalismusgläubige finden es nicht nur richtig, sondern sogar notwendig, daß eine kleine Oberschicht immer mehr Geld beim Rest der Weltbevölkerung einsammelt. Angeblich sei eine große Ungleichheit der Menschen unerläßlich, damit die Wirtschaft funktioniert. Wie üblich bedenken die Kapitalismusgläubigen nicht die Folgen. Adam Smith, den sie als geistigen Vater des Kapitalismus heiligen, erkannte jedoch:

"Keine Gesellschaft kann gedeihen und glücklich sein,
in der der weitaus größte Teil ihrer Mitglieder arm und elend ist."
(Adam Smith)

Der Josephspfennig: Zinsen und der mathematische Beweis des Scheiterns


Seit Geld existiert, gibt es einerseits Menschen, die zu wenig davon besitzen und sich etwas leihen müssen, und andererseits Menschen, die Geld im Überfluß besitzen und es durch Zinsen mehren. Abgesehen von der Ungerechtigkeit gibt es ein weiteres bestechendes Gegenargument gegen das Zins-System: Es kann auch aus rein mathematischen Gründen auf Dauer nicht funktionieren.

Zur Veranschaulichung hat Heinrich Haußmann einmal nachgerechnet:

josephspfennig

Selbst wenn man also nur 1 Pfennig anlegt und verzinst, werden die Zinsen das Vermögen auf ein Volumen anwachsen lassen, das überhaupt nicht mehr realisierbar ist. Bei niedrigeren Zinsen dauert es länger, bei höheren Zinsen kommt der Kollaps um so schneller. Es ist immer nur eine Frage der Zeit. Das ist reine Mathematik.

Da es ihren Glauben an Zinsen und Kapitalismus erschüttert, bekämpfen die Marktgläubigen diese Logik mit verzweifelter Wut. Ein schönes Beispiel ist der Josephspfennig-Eintrag bei Wikipedia. Mit Unterstützung der Wikipedia-Zensoren tobt ein Meinungskrieg, wie man auf der Diskussionsseite anhand der Masse der Änderungen des Artikels nachverfolgen kann. Die Gegner argumentieren z.B., die Inflation würde den effektiven Zinssatz auf weniger als 5% verringern. Das ist zwar richtig, ändert jedoch nichts daran, daß Geldverleiher in der Geschichte der Menschheit immer deutlich höhere Zinsen verlangten als die Inflationsrate.

Als wir zuletzt am 9. Oktober 2008 den Eintrag lasen, stand bei Wikipedia:

"Anderes war auch nicht möglich, denn Zinseszinssysteme wachsen exponentiell und sprengen nach wenigen Generationen jede Wirtschaft durch Überforderung der Schuldner. Deshalb kann und wird es nie solche gigantischen Schulden geben, da diese zu jedem kapitalistischen Zyklusende per Währungswechsel elegant als uneinbringbar ausgebucht werden oder in den Wirren von Hungeraufständen und Eroberungskriegen in Vergessenheit geraten."

Die mathematische Josephspfennig-Argumentation besagt, daß die Wirtschaft bei nur 1 Pfennig Startkapital nach einigen Jahrhunderten zusammenbrechen muß. Der Gegner der Josephspfennig-Argumentation schreibt, daß es einen solchen Schuldenberg nie geben kann, weil die Wirtschaft lange vorher zusammenbricht (!). Oder weil Hungeraufstände und Kriege alles zerstören (!). Wovon soll uns das überzeugen? Und was an einer Schuldenauflösung durch einen Währungswechsel "elegant" sein soll, bleibt ebenfalls das Geheimnis des Wikipedia-Schreibers.

Was der Wikipedia-Schreiber auch nicht bedacht hat: Zinsen sind überhaupt kein Problem, wenn die Erträge aus Zinsen wieder zurück in die Wirtschaft fließen. Das eigentliche Problem sind Vermögensanhäufungen, die durch Zinsen ermöglicht und verstärkt werden (mehr dazu demnächst an dieser Stelle).

Der subjektive Wikipedia-Eintrag berücksichtigt auch nicht, welche Geldmassen weltweit Zinsen fordern. Es ist nämlich ein wenig mehr als 1 Pfennig, der auf unsere Welt wirkt:

ZInsen für über 70 Billiarden (70.000.000.000.000.000) Josephspfennige


Am 7. September 2008 berichtete die Süddeutsche Zeitung ("Geld intelligent angelegt...: Die Zahl der Millionäre steigt rasant") von einer Studie der Boston Consulting Group. Nach dieser Studie beläuft sich das weltweite private Geldvermögen auf 109,5 Billionen $. Diese 109.500.000.000.000 $ sind höchst ungleich verteilt. Während in Deutschland die reichsten 10% zwei Drittel des Geldvermögens besitzen (siehe oben, Video mit Georg Schramm), ist das Vermögen in den meisten anderen Ländern noch ungleicher verteilt.
Zudem beinhaltet das Geldvermögen von 109,5 Billionen $ lediglich Bargeld und Geld auf Girokonen, Tagesgeldkonten, Aktien, Pfandbriefe und sonstige Wertpapiere, etc. Hinzu kommen noch etliche Billionen Vermögenswerte in Form von Immobilien - die Renditen in Form von Mietzinsen bringen. Hinzu kommen auch Unternmehmensbeteiligungen jenseits von Aktien (z.B. GmbH-Gesellschaftsanteile), die ebenfalls Zinsen bringen.

Diese Vermögen sind so gewaltig, daß die reichsten Menschen der Welt nicht einmal bei größter Verschwendung die Zinsen verkonsumieren können.

Das größte aller Zinsmonster ist der Derivatemarkt. Der Spiegel schreibt in Nr. 40 vom 29.09.2008:
"Das Marktvolumen der Derivate, mit denen weltweit auf Zins-, Aktien- und Kreditrisiken gewettet wird, erreichte Ende 2007 unvorstellbare 596 Billionen Dollar."

Insgesamt kursiert also weltweit ein Vermögen von über 700 Billionen $ oder 70 Billiarden (70.000.000.000.000.000) US-Cent bzw. Josephspfennigen. Für ihre 700 Billionen $ wollen deren Eigentümer Zinsen sehen. Mit einem Zinssatz unterhalb der Inflationsrate gibt sich außer Sparbuch- Kleinsparern niemand zufrieden.

Das globale Zins-Monster


Im Juli 2007, als die weltweite Zins- und Kreditkrise die Medien und Politiker überraschte, war die Aufregung groß, als die IKB beim Versuch, das Vermögen ihrer Anleger zu mehren, rd. 8 Mrd. € verlor. Nur 15 Monate später stellt die Süddeutsche Zeitung fest: "Wir sind Zeugen einer Krise, die fassungslos macht. Sie endet nicht, wenn das laute Beben der Banken verhallt ist. Eigentlich beginnt sie dann erst." (Das Billion-Dollar-Baby, SZ 30.09.2008). Die Tagesschau summiert den Schaden ebenfalls auf bisher 1 Billion € / 1,4 Billionen $ allein in den USA.

Die Finanzkrise erschüttert die Weltwirtschaft. Und im Hintergrund fordern die 700 Billionen $ der Vermögenden rund um den Globus immer neue Zinsen. Wie der Josephspfennig zeigt, kann das auf Dauer nicht funktionieren. Wir brauchen also ein neues System, das das Zinsproblem löst.

Lösungen


Wie man das Problem (u.a. mit dem Bandbreitenmodell) löst, lesen Sie hier.